Abstract

Das österreichische Pflegesystem erfährt in Zeiten der Coronapandemie verstärkt öffentliche Aufmerksamkeit. Während den Held:innen der Pandemie auf der einen Seite Anerkennung und Dank zu Teil werden, werden auf der anderen Seite die prekären Beschäftigungsverhältnisse und der strukturelle Personalmangel deutlich. Die kürzlich vom Gesundheitsministerium angestoßene „Taskforce Pflege“ setzt nun dazu an, das Pflegesystem zu reformieren. Unter anderem werden den in der Langzeitpflege Beschäftigten weitgehende Arbeitserleichterungen durch forcierten Einsatz digitaler Technologie in Aussicht gestellt. Auf Basis qualitativer Interviews mit Pflegekräften in stationären Pflegeeinrichtungen in Wien und in Bezugnahme auf geschlechtertheoretische Perspektiven, zeigt sich, dass der derzeitige Einsatz digitaler Technologie aus Sicht der Pflegekräfte ambivalent einzuschätzen ist. Meine empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass neue Sorgekonflikte entlang Rationalisierungsmechanismen in Aushandlung zwischen Bedürfnissen von Pflegebedürftigen und Pflegekräften, des Fortschritts unter Vorzeichen eines Generationenkonflikts und der Professionalisierung verlaufen. In Anlehnung an die vorliegenden Ergebnisse argumentiere ich, die gestiegene Aufmerksamkeit auf Pflegearbeit zu nutzen, um verstärkt für einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess um eine geschlechtergerechte Zukunft der Pflegearbeit einzutreten.

Keywords: Digitalisierung, Rationalisierung, Care-Arbeit, Pflegekrise, Pflegearbeit, Coronapandemie

Autorinneninformation:

Miriam Fahimi ist Marie Skłodowska-Curie Fellow im EU-Projekt NoBIAS – Artificial Intelligence without Bias und arbeitet als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Digital Age Research Center (D!ARC) der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Im Rahmen ihres Promotionsprojekts in Science and Technology Studies beschäftigt sie sich mit den soziotechnischen Verwobenheiten algorithmischer Diskriminierung und algorithmischer Fairness aus wissenschaftstheoretischer und feministischer Perspektive. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Wissenschafts- und Technikforschung, der Wissenschaftsphilosophie und der feministischen Theorie.

Anmerkung

Ohne Margarete ‚Meggi‘ Grandner gäbe es kein Institut für Internationale Entwicklung wie wir es heute kennen. Die österreichische Entwicklungsforschung wäre um einiges ärmer und unkritischer ohne sie. Das sind keine Forschungshypothesen, sondern ewige, unumstößliche Wahrheiten. Leider wird Meggi ihr Büro an unserem Institut diesen Herbst verlassen. Das ist eine Arbeitshypothese: Wer weiß, was bis dahin und danach passiert. Nicht nur deshalb haben wir ihr noch schnell ein paar Fragen gestellt, die uns geradeso umtreiben. Diese Fragen beziehen sich unter anderem auf ihr neuestes Buch:

Fischer, Karen, Margarete Grandner (Hg.) (2019): Globale Ungleichheit. Über Zusammenhänge von Kolonialismus, Arbeitsverhältnissen und Naturverbrauch. Wien: Mandelbaum.

Keywords: Soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Materialismus, Staatstheorie, Akteurszentrierte Forschung

Autorinneninformation:

Margarete Grandner war Professorin für Geschichte und Entwicklung am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien bis März 2021. Das Interview wurde von Alexandra Heis, Cornelia Staritz, und Johannes Knierzinger, jeweils Universitätsassistentin (prae doc), Assistenzprofessur Entwicklungsökonomie, und Senior Lecturer am Institut für Internationale Entwicklung, konzipiert, und von Johannes Knierzinger geführt. Das Interview wurde von Alexander Hass, Natalie Luftensteiner, und Signe Moe transkribiert und von Alexander Hass fertiggestellt.

Abstract

Das Thema Ungleichheit hat im letzten Jahrzehnt zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Das hat nicht nur damit zu tun, dass empirisch messbare Ungleichheit weltweit zugenommen hat, sondern sicherlich auch mit akademischen Arbeiten zum Thema, die über die Welt der Wissenschaft hinaus zu viel diskutierten Bestsellern geworden sind. An erster Stelle ist hier Thomas Pikettys Das Kapital im 21. Jahrhundert zu nennen. Vor allem mit der englischen Übersetzung dieser umfangreichen Studie zur Geschichte der Ungleichheit wurde der französische Ökonom Piketty zu einem globalen Star der Wissenschaft. Das öffentliche Rampenlicht sorgte auch dafür, dass die Geschichte der Ungleichheit intensiv in den Feuilletons und Wohnzimmern dieser Welt diskutiert wurde. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die das Thema erfährt, lässt sich etwa auch an der gestiegenen Anzahl an universitären Lehrveranstaltungen zum Thema ablesen. Auf diesen Trend, den der Autor dieser Rezension für begrüßenswert hält, scheinen auch die Herausgeberinnen des Sammelbandes Globale Ungleichheit zu reagieren.

Das Zielpublikum dieser Publikation sind Studierende und andere Leser*innen, die eine kompakte Einführung in das Thema globale Ungleichheit suchen. Dies wird unter anderem durch die „Lernfragen“ deutlich, die jedes Kapitel abschließen und dem Leser / der Leserin die Essenz eines Kapitels nochmals vor Augen führen soll. Die Autor*innen sind um eine zugängliche Sprache bemüht und geben in vierzehn Kapitel eine Einführung in verschiedene Zugänge zum Thema Ungleichheit. Jedes Kapitel wird durch ein bis zwei „Exkurse“ ergänzt, die anhand von konkreten Beispielen zeigen, wie sich die teils theoretischen Zugänge anwenden lassen. Das ist ein gelungenes Konzept, das sowohl für ein akademisches als auch nicht-akademisches Publikum von Interesse sein kann.

Der Band nähert sich dem Thema globale Ungleichheit über eine Palette an disziplinären Zugängen an. Mindestens so beindruckend wie die Anzahl der Autor*innen, die an diesem Band mitgearbeitet haben (34!) ist die Vielfalt der Disziplinen, die von ihnen abgedeckt werden: Soziologie, Geschichte, Ökonomie, Ökologie, Geographie, Gender Studies, Area Studies, und Politikwissenschaft. In der Einleitung verdeutlichen die Herausgeberinnen, dass es sich bei Ungleichheit um ein „multidimensionales Phänomen“ handelt, das auf einer globalen Ebene mit transdisziplinären Zugängen analysiert werden müsse. Sie beziehen sich hier vor allem auf den schwedischen Soziologen Göran Therborn, der zwischen vitaler, existenzieller und Ressourcenungleichheit unterscheidet. Ausgehend von diesen verschiedenen Dimensionen von Ungleichheit unterstreichen die Herausgeberinnen, weshalb es sinnvoll ist einen transdisziplinären Zugang zum Thema Ungleichheit zu wählen.

Im zweiten Kapitel liefert Andreas Exenberger eine Makroperspektive auf globale Ungleichheit basierend auf Daten zum Gini-Koeffizienten, Pro-Kopfeinkommen oder dem Human Development Index. Auch die Globalhistorikerin Andrea Komlosy bewegt sich auf einer Makroebene und beschäftigt sich in ihrem Beitrag (Kapitel 3) mit den historischen Wurzeln globaler Ungleichheit. Sie stützt sich hier vor allem auf die Dependenz- und Weltsystemtheorie und ihre jeweils wichtigsten Vertreter André Gunder Frank und Immanuel Wallerstein. In Kapitel 4 behandeln Claudia Rauhut und Manuela Boatcă die Forderungen nach Reparationszahlungen ehemaliger Kolonien und fokussieren hier auf ehemalige britische Kolonien im karibischen Raum. Hier hätte sich auch ein Verweis auf die Debatte um Reparationszahlungen an Indien angeboten. Diese hatte vor allem durch eine Rede des indischen Parlamentariers Shashi Tharoor, die er 2015 in Oxford hielt, weltweit Beachtung gefunden. Marcel van der Linden, einer der wichtigsten Vertreter der Global Labour History, bietet im fünften Kapitel einen Überblick über globale Arbeitsverhältnisse vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und geht unter anderem der Frage nach, weshalb Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten an politischer Macht verloren haben. Kapitel 6 ist das zentrale Kapitel des Sammelbandes. Karin Fischer und Bernhard Leubolt stellen darin einige Theorien globaler Ungleichheit vor, darunter entwicklungstheoretische Klassiker wie die Modernisierungs-, Dependenz- und Weltsystemtheorie, aber auch jüngere Theorien aus dem Feld der Soziologie wie die Differenzierungstheorie sozialer Ungleichheiten oder den bereits genannten schwedischen Soziologen Göran Therborn. Julia Roth plädiert in Kapitel 7 für einen intersektionalen Blick auf Ungleichheit, der diesem multidimensionalen Phänomen gerecht werden soll. Intersektionalität ist ein Konzept, das aus den Gender Studies hervorging und das darauf abzielt, die „strukturellen Verflechtungen verschiedener Ungleichheitsachsen zu berücksichtigen“ (S. 170). In Kapitel 8 widerlegen Axel Anlauf und Stefan Schmalz die Konvergenz-These, nach der die letzte Globalisierungswelle zu einem weltweiten Angleichen von Lebensstandards geführt hätte. Karin Fischer beruft sich in ihrem Kapitel (9) zu globalen Einkommensunterschieden vor allem auf den Ökonomen Branko Milanović, der in den letzten Jahren wichtige Beiträge zur Ungleichheitsforschung geleistet hat. Auch in Kapitel 10 (Jakob Kapeller, Bernhard Schütz und Benjamin Ferschili) und Kapitel 11 (Karin Fischer) wurden ökonomische Zugänge gewählt, die sich mit Finanzialisierung beziehungsweise Reichtum und Vermögen beschäftigen. Anke Schaffartzik, die am Wiener Institut für Soziale Ökologie forscht, veranschaulicht anhand von Daten zum Verbrauch materieller Ressourcen Ungleichheit aus einer ökologischen Perspektive. Beiträge zu den Themen Krieg, Gewalt und Ungleichheit (Kapitel 13, Angela Meyer) sowie Theorien globaler Gleichheit schließen den Sammelband.

Kein eigenes Kapitel wird jedoch dem Thema Gender Inequality gewidmet, weil dieses, so die Herausgeberinnen, „sämtliche gesellschaftliche Sphären durchschneidet“ und somit „Querschnittmaterie“ sei. Ähnliches könnte allerdings auch für die ökonomische Dimension von Ungleichheit gelten und dennoch werden dieser gleich mehrere Kapitel gewidmet. Wie zentral die Kategorie Gender in Bezug auf Ungleichheit ist, zeigen etwa viele jüngst erschienene Studien zu den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie. Auch hätte ich erwartet, dass die Studien von Thomas Piketty prominenter diskutiert werden. Nicht nur wegen seiner eingangs erwähnten Popularität, sondern vor allem wegen seiner anspruchsvollen akademischen Arbeit, die auf Basis reichhaltigen Datenmaterials eine langfristige historische Perspektive auf Ungleichheit gewährt. Dennoch ist es den Herausgeberinnen mit diesem Sammelband gelungen einen wertvollen Beitrag zu einem relevanten und komplexen Thema zu leisten. Die große Stärke des Bandes liegt nicht nur in der Vielfalt der präsentierten Zugänge, sondern vor allem auch in seiner globalen Ausrichtung.

Keywords: Inequality, Global Studies, Kolonialismus, Ressourcen,
Arbeitsverhältnisse

Autorinneninformation:

Rolf Bauer ist Gastprofessor für Globalgeschichte an der Universität Wien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Wirtschafts- und
Sozialgeschichte Südasiens im langen 19. Jahrhundert, Disaster Studies und Drogengeschichte.

Abstract

The Fridays for Future (FFF) movement has become a significant and influential player in the environmental and climate policy debate. As part of the Austrian-wide Climate Action Week, a demonstration was held on 31st May 2019 in Vienna together with Greta Thunberg. According to the organizers, up to 35,000 people joined this protest. The Forschungswerkstatt Protest (Research Project on Protest) at the Department of Development Studies of the University of Vienna has been conducting research on the FFF protest. On the basis of qualitative and quantitative data, this working paper analyses the opinions and perspectives of the protest participants in respect of causes, responsibilities and solutions for solving the climate crisis. The analysis is carried out through the lens of framing theory. The authors conclude that the great majority of those surveyed attribute responsibility for the crisis to several different actors: Political decision-makers, the economic system, but also individual citizens, especially in their role as consumers, can be identified as the main responsible actors, but there are differences in the weighting of the responsibility of these actors. Political and economic actors are said to have a special responsibility in the face of the crisis; science as a possible driving force is given little attention. Overall, the protest participants look to the future with optimism and believe in the strength of their protest.


Keywords: Fridays for Future, Climate Crisis, Social Movement, Youth, Environmental Movement, Protest, Austria

Autorinneninformation:

Clemens Bohla, Barbara Braunhuberb, Antje Danielc, Denise Glässerd, Otto Ilchmanne, Lemonia Langef, Andreas Wingenderg

a Clemens Bohl is a student in the Department of Development Studies. His research interest is development in the nexus of security, conflict and peace, protest and social movements, human rights, climate and religion.b Barbara Braunhuber is a student in the Department of Development Studies. Her main research interests are social movements, social inequalities and climate change.c Antje Daniel is a university assistant in the Department of Development Studies. Her research interests include social movement research, transformation and democratization, future, utopia and gender studies. dDenise Glässer is a student in the Department of Development Studies. Her main research interests are human rights, social inequalities, social movements and protest movements.e Otto Ilchmann is a student in the Department of Development Studies. His main research interest regarding social movements is formal and informal organizational characteristics, formal and informal leadership features and aspects of interconnections between social movements.f Lemonia Lange graduated in the Department of Development Studies. Her main research interests are social inequalities, democratization, social movements, human rights, post-conflict and peace research.g Andreas Wingender is a student in the Department of Development Studies. His main research interests are social movements, protest movements, youth movements and climate activism, focusing on generational inequalities.

Abstract

Mit den „Schulstreiks für das Klima“ vor dem schwedischen Parlament inspirierte die Klimaaktivistin Greta Thunberg zahlreiche junge Menschen weltweit. Mit dem Slogan Fridays for future (FFF) entstanden auch in Wien Schulstreiks und Proteste für globale Klimagerechtigkeit und das Einhalten des Pariser Klimaabkommens. Am 27. September 2019 gelang es allein in der Hauptstadt bis zu 30.000 Personen für den Earth Strike zu mobilisieren. Auf der Basis einer Protestbefragung auf dem Earth Strike analysieren wir dieses Protestereignis und leisten damit ein grundlegendes Verständnis zum Profil und der Einstellung der noch jungen FFF-Bewegung: Es zeigt sich, dass die Motivation der Teilnehmenden zentral von der Sorge um eine lebenswerte Zukunft bestimmt ist. Angst, Besorgnis und Wut sind wichtige Gefühle, die in der Verbindung mit dem Schlagwort es ist „5 vor 12“ der FFF Bewegung stehen. Damit machen die FFF auf die Dringlichkeit der Klimakrise und die Notwendigkeit eines umfassenden Handelns aufmerksam. FFF stellt sich als junge und von Frauen mit-getragene Bewegung dar. Obwohl sie versuchen alle gesellschaftlichen Schichten zu erreichen, zeigt sich das Bemühen um eine breite Mobilisierung hinsichtlich der sozialen Hintergründe der Mobilisierten weniger: Die Befragten verorten ihre Herkunft vorwiegend in der (oberen) Mittelschicht. Einen in den Medien proklamierten Generationenkonflikt können wir auf der Grundlage unserer Analyse allerdings kaum bestätigen.

Keywords: Fridays for Future, Protest, Umwelt- und Klimabewegung, Österreich, Jugend

Autorinneninformation:

 

Antje Daniel ist Gastprofessorin für Entwicklungsforschung am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Protest- und Bewegungsforschung, Transformationsprozesse und Demokratisierung, Zukunft, Utopie und Geschlechterforschung.

Anna Deutschmann arbeitet als Sozialwissenschafterin sowie als Lektorin am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Protest- und Bewegungsforschung, politische Transformationsforschung, soziale Ungleichheit und Bildungssoziologie.

Abstract

On May 27, 2019, two widely known and recognised feminist theorists, Chandra Talpade Mohanty and Nikita Dhawan, came together in Vienna to discuss issues of transnational solidarity among feminist, queer, anti-racist, anti-capitalist and social justice struggles. Chandra Talpade Mohanty presented her latest book and digital archive project, co-edited with Linda E. Carty, called ‘Feminist Freedom Warriors: Genealogies, Justice, Politics, and Hope’ as a cross-generational conversation with feminist scholar-activists and sister comrades about their activist works and struggles for social justice. Giving insights into the idea and motivation of the project, Chandra Talpade Mohanty and Nikita Dhawan not only addressed the meaning of central concepts such as solidarity, political friendship and wonderful thinking, but also touched upon the question of the state as well as ‘why feminism is important to all of this’. This report outlines central issues discussed during the event and identifies possible points of departure for transnational solidarity amongst feminists.

Key words: transnational feminism, solidarity, intersectionality, activism, feminist struggles

Autorinneninformation:

The discussion was transcribed and summarised by Ines Höckner and Lan Huong Le, both graduate students of Development Studies at the University of Vienna. Ines Höckner’s research interests focus on materialist and critical-realist perspectives on nation, gender and racism in authoritarian neoliberalism, and Lan Huong Le’s research centres around materialist feminism, reproductive labour, global health, and reproductive health.

Abstract

The transdisciplinary approach aims to produce knowledge by including different perspectives and knowledge forms of academic and non-academic actors. This paper analyses how knowledge, knowledge production and transfer were understood and practiced within the context of the Summer School in Chiang Mai 2018. The Summer School was part of the KNOTS project, which is concerned with transdisciplinarity and intends to establish a network of knowledge exchange by linking partner universities from five countries. The research paper demonstrates the attempt to shift knowledge production into a transdisciplinary direction and describes challenges that occurred. Even though the transdisciplinary approach and the KNOTS program aim to significantly reduce knowledge hierarchies by transforming knowledge production, the results show that this still remains a challenging task. Knowledge hierarchies and power relations were still visible and felt by most of the participants. The most strongly perceived asymmetries, which were considered from an intersectional perspective, were in the realms of role (student or lecturer), nationality (European or Southeast Asian), language and gender. While hierarchies cannot be eliminated completely, the paper discusses the attempts by the participants to reduce the still existing asymmetries. The results are a further contribution to transdisciplinary research, which so far has not taken the field of sociology of knowledge into sufficient consideration, particularly in regard to knowledge and knowledge hierarchies.

Keywords: transdisciplinarity, sociology of knowledge, feminist and post-colonial approaches, knowledge hierarchies, KNOTS Summer School

Autorinneninformation:

Barbara Braunhuber a, Theresa Goisauf b, Junita Reinisch c,d

a Barbara Braunhuber’s main research interest is on social movements, social inequalities and climate change. b Theresa Goisauf’s main research interest is on urban transformation, social inequalities in European cities and gentrification. c Junita Reinisch’s main research interests are gender and social inequalities, women* empowerment, postcolonial and feminist approaches d All three authors are currently master students at the Department of Development Studies, University of Vienna

Abstract

The project „KNOTS“ is a three-year scheduled project financed by the European Union. The goal is the establishment of regional and international networks of transdisciplinary research as well as the development of transdisciplinary teaching methods. This paper analyses its internal and external communication and dissemination on the basis of qualitative interviews and ob-servation protocols. It theoretically outlines transdisciplinarity and organizational communica-tion as well as scientific communication. The interviews and the protocol of a dissemination workshop have shown that the dissemination in the KNOTS project could still be described as work-in-progress, evidently seen in the different understandings of dissemination (mainly) and transdisciplinarity (partly). There was a general confusion about roles, division of work, re-sponsibilities and the topic of dissemination specifically. There is not a mutual strategy for dissemination, but many different approaches. This counts especially for the time before the dissemination workshop. As one might expect, it resulted in mostly negatively reviewed dis-semination activities as expressed by the respondents. An effective internal communication, however, as outlined in the theoretical framework, is key to an effective external communica-tion. Furthermore, there did not seem to be a lot of motivation to come up with sophisticated ideas for dissemination, because, as some interviewees mentioned, they thought of dissemina-tion as a kind of chore assigned by the donor. The workshop may have helped to clarify the roles and expectations for each partner and get a better understanding for dissemination and its importance. It appears that the quality and processes of dissemination of project KNOTS will not change fundamentally for the last period of the project. It poses an example of the challenges and issues transdisciplinary projects face in terms of dissemination activities.

Key words: KNOTS, transdisciplinarity, dissemination, scientific communication, organ-izational communication.

Autorinneninformation:

Lukas Semmler is a student at the University of Vienna, currently enrolled in the master’s programme “Development Studies” and will most likely graduate by the begin-ning of 2020. His research interest lies in the field of Transdisciplinarity, (scientific) commu-nication and development theories.

Abstract:

Eine der komplexesten Herausforderungen heute ist das Finden einer neuen Machtbalance in fragilen Nachkriegsgesellschaften. Interne und externe Akteure spielen nach Beendigung von bewaffneten Konflikten wichtige, ineinander verzahnte Rollen. Während ältere Statebuilding-Ansätze ursprünglich vom Westfälischen Institutionenmodell ausgingen, berücksichtigen neue Strategien die Erfahrungen aus dem entwicklungspolitischen Bereich, um auf den jeweiligen Kontext einzugehen und die Staat-Gesellschaftsbeziehungen in den Mittelpunkt zu stellen. Ich argumentiere, dass Peacebuilding, Statebuilding und Menschenrechte - wenngleich schwierige Brüche zu überwinden sind - für die betroffenen Marginalisierten und Armen einer Gesellschaft zusammenwirken und zu nachhaltigem Frieden beitragen können. Die führenden Menschenrechts-prinzipien - Nichtdiskriminierung, Partizipation, Transparenz und Rechenschafts-pflicht - übersetzen die Erwartungen der Bevölkerung an die (Übergangs-)Regierung in Rechtspositionen und erhöhen so die Selbst-bestimmung der Gesellschaft. Dieses Umdenken von Transition in Richtung eines "local empowerment" (lokale Selbstbestimmung) schafft für interne wie externe Akteure einen neuen Rechtsraum, der künftig möglicherweise bindende innere Erfüllungskategorien von Souveränität freilegt ("ius post bellum", Transitionsvölkerrecht). Erkenntnisse aus dem völkerrechtlichen, politikwissenschaftlichen, friedens- und entwicklungspolitischen Bereich wirken dabei zusammen, womit gezeigt werden kann, wie Interaktion zwischen verschiedenen sich gegenseitig beeinflussenden Disziplinen zu neuen Lösungsansätzen führt.

Schlagwörter: Fragilität, Selbstbestimmung, ius post bellum, Konflikttransformation, Legitimität, Menschenrechtsansatz

Autorinneninformation:

Ursula Werther-Pietsch ist Dozentin für Völkerrecht und internationale Beziehungen, stellvertretende Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, davor Bundeskanzleramt – Verfassungsdienst und Völkerrechtsbüro. Ihre Forschungsschwerpunkte sind menschliche Sicherheit, Friedenskonsolidierung, Entwicklungs- und Transitionsvölkerrecht.


Abstract:

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Migrationsprozesse und Migrationsmuster in Asien aus geschlechtsspezifischer Perspektive. Dabei werden sowohl die Ursachen und die Veränderungen der zugenommenen Mobilität diskutiert, als auch die Rolle der unterschiedlichen Akteure analysiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um Migration und Entwicklung werden im zweiten Teil des Beitrags aus einer kritischen Entwicklungsforschungsperspektive die geschlechtsspezifischen Zuschreibungen an die "Migrantin" und ihr "Entwicklungspotential" diskutiert. Im letzten Teil werden, auf der Grundlage empirischer Forschungen in Bangladesch, die Entwicklungsvorstellungen der Migrantinnen und Migranten herausgearbeitet, um die Relevanz kontextspezifischer Dimensionen zu veranschaulichen, ohne die aus Perspektive der Autorin weder Migrationsprozesse noch entwicklungsrelevante Fragen verstanden werden können.

Schlagwörter: Migration, Mobilität, Entwicklung, Gender, Asien, Bangladesch

Autorinneninformation:

Petra Dannecker ist Professorin für Entwicklungssoziologie und Leiterin des Instituts für Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Sie arbeitet zu den Themenfeldern Globalisierung und Migrationsprozesse, Gender Studies, Transnationalisierung und Methoden der Entwicklungsforschung.


Abstract:

Malawi wird in Publikationen häufig als Beispiel für Care Drain bzw. die negativen Auswirkungen der Abwanderung von Pflegepersonal, insbesondere KrankenpflegerInnen, auf Länder mit desolaten Gesundheitssystemen angeführt. Das Working Paper gibt Einblick in eine qualitative Studie zu Migrationsintentionen unter jungen hochqualifizierten KrankenpflegerInnen aus Malawi. Diese wurde 2010 nach dem Grounded Theory-Ansatz durchgeführt und stützt sich vor allem auf biografische, leitfadengestützte Interviews sowie Fokusgruppen-Diskussionen. Das Paper verfolgt den Anspruch, aus einer biografischen Perspektive zu einem vertieften Verständnis der Migrationsintentionen der jungen KrankenpflegerInnen beizutragen und weist auf dieser Grundlage auf zukünftig relevante Zusammenhänge von Care Drain/Gain in Malawi hin, die bislang entwicklungspolitisch kaum berücksichtigt wurden. Insbesondere diskutiert es die Verquickungen zwischen Migrationsintentionen und den antizipierten beruflichen Karrierewegen aber auch ‑hindernissen. Dabei werden genderbezogene und historische Aspekte der Migrationsintentionen gesondert thematisiert. In den anschließenden Unterkapiteln veranschaulicht das Paper die vielfältigen biografischen Bedeutungen und Funktionen von Migration in den Bereichen Familien-, Beziehungs- bzw. Singleleben, Selbstverwirklichung sowie Statusstreben, wobei es jeweils genderbezogene Unterschiede berücksichtigt. Die verschiedenen Bereiche werden mit Blick auf kollektive gesellschaftliche und religiöse Vorstellungen über Verbindungen von Migration und sozialer wie persönlicher "Entwicklung" diskutiert. Den letzten Teil des Papers bildet die Reflexion der Ergebnisse aus (entwicklungs-)politischer Perspektive, wobei im Einzelnen auf Potentiale und Schwierigkeiten in der Karriereplanung, der Umsetzung erfolgreicher Migrationsprojekte und der politischen Gestaltung von Migration eingegangen wird.

Schlagwörter: Migration, Krankenpflege, Malawi, Care Drain, Brain Gain, biografische Migrationsforschung

Autorinneninformation:

Christiane Voßemer ist Universitätsassistentin am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien und promoviert zur Transformation der Regime reproduktiver Gesundheitsversorgung im Grenzraum von Thailand und Myanmar.


Abstract:

Der Beitrag gibt einen Überblick über die erkenntnistheoretischen Grundlagen entwicklungstheoretischen Denkens – insbesondere der Vorstellung von Subjektivität – und die damit verbundenen theorieimmanenten Problematiken. Der erste Teil behandelt den Paradigmenwechsel im Forschungsfeld von den Anfängen der Entwicklungsforschung bis zu den Theorien des 20. Jahrhunderts. Diese werden jeweils vor dem Hintergrund des ideengeschichtlichen Kontextes beleuchtet, um die subjekttheoretischen Prämissen der Theorien zu veranschaulichen. Dahingehend wird sich zeigen, dass der Paradigmenwechsel im Lichte der erkenntnistheoretischen Kontinuitäten und Brüche zwischen „alten“ und „neuen“ Entwicklungstheorien, eine zentrale und grundlegende Herausforderung an die Entwicklungsforschung darstellt. Im zweiten Teil werden daher Überlegungen angestellt, wie dieser Herausforderung begegnet werden und die Theoriebildung im Feld der Entwicklungsforschung eine größere Relevanz erlangen kann. Denn nur wenn in der Forschung das in die Theoriebildung eingeschriebene Subjektverständnis reflektiert und aktualisiert wird – so die These – kann eine neue Qualität der Entwicklungsforschung für das 21. Jahrhundert generiert werden.

Schlagwörter: aid, aid flows, China, development, dependence, economic growth, foreign aid, policy making, political economy, private donors

Autorinneninformation:

Alexandra Grieshofer ist Doktorandin der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen der theoretischen Ansätze von Entwicklung, Entwicklung aus historischer Perspektive, Entwicklung aus erkenntnistheoretischer Perspektive und hierin speziell bei modernen bzw. post-modernen Subjektivitätskonzeptionen sowie von Relationalität und Dialogphilosophie.

Die Autorin wurde für den hier veröffentlichten Artikel mit dem Nachwuchspreis für Entwicklungsforschung des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet.


Abstract:

Die vorliegende Arbeit steht am Ende des Projekts Ungleiche Vielfalt (www.ungleichevielfalt.at), in dem SchülerInnen zweier Wiener Schulen gemeinsam mit Studierenden erforschten, wie Jugendliche in ihrem Alltag Ungleichheit und Vielfalt erleben. Auf Basis von acht qualitativen Interviews werden unterschiedliche Alltagsstrategien in der Freizeitgestaltung beschrieben, in gesellschaftliche Kontexte eingebettet und Schlussfolgerungen gezogen, welche Brücken und Barrieren sich daraus für ein gelungenes Zusammenleben in Vielfalt ergeben. Die Ergebnisse zeigen, wie stark und gleichzeitig subtil sozioökonomische Unterschiede in den Alltag hinein wirken: Auf der einen Seite sind Freizeitaktivitäten sowohl Ausdruck als auch Quelle von sozialer Ungleichheit, da sie unterschiedliche Ausstattungen an Ressourcen voraussetzen und gleichzeitig unterschiedliche Möglichkeiten bieten, gesellschaftlich relevante Ressourcen zu erwerben. Auf der anderen Seite sind alle SchülerInnen der Meinung, in ihrer Freizeit ausschließlich das zu tun, was sie wollen - ohne zu merken, wie sehr ihr Aktionsradius von dem Milieu bestimmt wird, in dem sie sich bewegen. Die Interviews legen nahe, dass diese Milieus primär sozioökonomisch konstituiert sind und nationalkulturelle Faktoren nur von sekundärer Bedeutung sind. Die in allen Milieus feststellbaren Abschottungstendenzen führen tendenziell zu Unwissenheit, Vorurteilen und Angst vor "den anderen" und damit zu einer ernsthaften Bedrohung für den sozialen Zusammenhalt. Um den polarisierenden Effekt familiärer Reproduktionsstrategien zu lindern, braucht es neben staatlichen Wohlfahrtseinrichtungen eine inklusive Schule, die positive Begegnungen und Austausch über diese Milieus hinweg ermöglicht.

Schlagwörter: Ungleichheit, Vielfalt , Schule, Wien, Jugendliche, Freizeit, sozialer Zusammenhalt, Bourdieu, qualitative Sozialforschung

Autoreninformation:

Sebastian Howorka hat an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der Universität Wien sozioökonomische Entwicklungsforschung und Internationale Betriebswirtschaft studiert. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Paulo Freire Zentrums für den Abschluss des Projekts Ungleiche Vielfalt verantwortlich.


Abstract:

Developing countries are the recipients of important flows of foreign aid. Since the 2000s, the efficiency of such flows is a matter of heated debates. Indeed, aid flows are directed to some developing countries sometimes for decades, e.g. since the post-independence era in the 1960s for many Sub-Saharan African countries. The results, however, may be viewed as disappointing, since these countries remain at low levels of development in many dimensions, not only in terms of per capita income but also of human development. In this context, the emergence of new players, such as private donors or emerging countries, in particular China, introduces additional complexity in the debates. The paper critically analyses the main features of foreign aid at the beginning of the 21st century. It discusses the key facts as well as the most important theoretical debates. It shows that the 2000s have witnessed a marked emphasis on the detrimental effects of aid and that studies of the impact of aid are therefore characterised by uncertainty and inherent tensions: indeed, this emphasis coexist with a paradigm in the policy-making sphere that relies on the benefits of aid and the necessity of increasing aid as a condition for poor countries to get out of their situation. The paper firstly defines the concept of 'aid', and shows its complexity, as there are many different sources and types of aid flows. Secondly, it presents an overview of the key facts regarding global aid flows. Thirdly, it examines a much-debated key theoretical justification of aid, i.e. the impact of aid on the growth of recipient countries. Fourthly, it assesses the increasing controversies regarding aid, which underscore its negative effects at the macroeconomic level, in particular the problems created by aid dependence. It finally underlines the other negative effects of aid, which stem from the characteristics of the aid relationship itself, notably the problems of incentives, political economy and coordination.

Schlagwörter: aid, aid flows, China, development, dependence, economic growth, foreign aid, policy making, political economy, private donors

Autorinneninformation:

Alice N. Sindzingre is a Research Fellow at the National Centre for Scientific Research (Centre National de la Recherche Scientifique/CNRS, Paris, France), EconomiX-University Paris-West; and Visiting Lecturer, School of Oriental and African Studies (SOAS), Department of Economics (University of London, United Kingdom).