Forschungsprojekte Judith Ehlert

01/2015 - 12/2017

Leiterin des Drittmittelprojekts Ein körperpolitischer Ansatz des Essens – Vietnam im Geflecht globaler Transformation

Fördergeber: FWF – Der Wissenschaftsfonds.

Anhand des Beispiels Vietnam versucht das Projekt ein empirisches Verständnis des Wandels von Esskulturen vor dem Hintergrund der Globalisierung zu entwickeln. Besonderes Augenmerk wird auf das Zusammenspiel von Körperkonzepten, Schönheitsidealen und der sozio-kulturellen Kontrolle von Esspraktiken gelegt. Dabei fokussiert das Projekt u.a. die Entwicklung von Diätverhalten. Nach den eindrücklichen Erfahrungen des Krieges und Zeiten der extremen Nahrungsunsicherheit in Vietnam, sieht sich die Bevölkerung seit den rapiden wirtschaftlichen Entwicklungen Ende der 1980er Jahre einer wachsenden Vielfalt von (ausländischen) Nahrungsmittelangeboten gegenüber. Vor dem Hintergrund des kommunistischen Einparteienstaates sowie der rasanten Marktintegration, eruiert das Projektvorhaben die Transformation von Esskultur anhand der sozialen Konstruktion von männlicher und weiblicher Körperlichkeit, Subjektivität und Geschlechteridentität, die sich in der Regulierung von Essverhalten manifestieren.

Das Forschungsprojekt liefert einen Beitrag zur Theoriebildung bzgl. der Verbindung von Körperbildern und der Kontrolle und Regulierung von Essverhalten. Es schlägt einen körperpolitischen Ansatz für die Analyse der Veränderung von Essgewohnheiten vor, welcher Ernährung und Körper sozialkonstruktivistisch sowohl als Macht-Wissen Komplex, als Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheit und der Inkorporierung bzw. (Re-) Produktion sozialer Ordnung sowie aber auch – aus Akteursperspektive – Essen als sinnhafte Erfahrung von Leiblichkeit und lebensweltlichen Handlungsspielraum im phänomenologischen Sinne versteht.  Das Projektthema ‚Essen‘ wird somit im weiteren Sinne zu einer Linse, durch die gesellschaftlicher Wandel in Vietnam im Kontext von Globalisierung zugänglich gemacht werden soll.


2007-2010

Promotionsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Deutschland, im Rahmen des interdisziplinären Projektes WISDOM (Water-related Information System for the Sustainable Development of the Mekong Delta, Vietnam)

In der Dissertation Beautiful Floods. Environmental Knowledge & Agrarian Change in the Mekong Delta, Vietnam geht es um eine lebensweltliche Analyse des Umgangs der ländlichen Bevölkerung (Reisbauern-, Fischergemeinden und Landlose) mit dem alljährlichen Hochwasser. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Untersuchung des sozial-strukturierten lokalen Wasser- und Umweltwissens und dessen Veränderung im Zuge eines rasant voranschreitenden sozio-ökonomischen Wandels und der staatlichen Modernisierungsprogramme im Mekong Delta. Für die einjährige Erforschung der Mensch-Umwelt-Beziehungen im Mekong Delta wurde ein ethnographischer, qualitativ-sozialwissenschaftlicher Zugang gewählt.