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Chronologie der Ereignisse rund um die Unsicherheit der IE-Studienpläne seit Februar 2011. Beitrags- und Korrekturvorschläge bitte an: studienassistenz.ie@univie.ac.at

Februar 2011

Der von der Curricular-Arbeitsgruppe der IE entwickelte Entwurf für den Master.IE (bzw. hier) passiert in erster Lesung die Curricular-Kommission des Senats. Dadurch wird der formale Aufbau und die Durchführbarkeit des Master-Studienplans von dem dafür zuständigen, demokratisch gewählten Universitätsgremium bestätigt. Mit der Bestätigung der Kommission zu diesem Zeitpunkt sind alle weiteren Schritte auf dem Weg zur Master-Einführung - ohne weitere Einwände oder Verzögerungen - bis zu Beginn des Wintersemester 2011 durchführbar.

23. Februar 2011

In einem an die Vorsitzenden von Senat und Senats-Curricular-Kommission adressierten Brief, den die IE-Institutsleiterin und IE-Vize-Studienprogrammleiterin nur als Kopie erhalten, erklärt Rektor Winckler, dass für den vom Senat in erster Lesung bestätigten IE-Masterstudienplan auf Grund knapper Ressourcen und unklarer weiterer Ausstattung der Universitäten seitens der Regierung keine Zusage für eine Finanzierung gemacht werden könne. Es müsse das voraussichtlich Ende April zu erwartende Bundesfinanzrahmengesetz abgewartet werden, um weitere Aussagen treffen zu können.
Mit dieser Verzögerung steht die planmäßige Einführung des Master.IE zum Wintersemester 2011 in Frage: Für eine positive zweite Lesung des Master-Entwurfs durch die Curricular-Kommission des Senats wäre es notwendig, den nächstmöglichen Sitzungstermin am 14. April zu nutzen. Mit einer Nichtzusage der Finanzierung durch das Rektorat wäre dies jedoch sinnlos.

Eine Nicht-Finanzierung bzw. Nicht-Existenz des Master-Studiums würde sich ebenfalls gravierend auf das Lehr-Angebot des auslaufenden Individuellen Diplomstudiums (IDS) auswirken. Da die Finanzierung des IDS ab dem nächsten Semester noch prekärer als bisher veranschlagt wurde, ist geplant, die restlichen IDS-Studierenden durch die Master-Lehrveranstaltungen (anderer Studienplan-Code bei gleichem Inhalt) mit zu versorgen.

Weiters regt der Rektor in seinem Brief die Einführung eines englischsprachigen Masters an, was als Zugangsbeschränkung benutzt werden kann. Hiermit wird vom Rektor zur inhaltlichen Gestaltung des Master-Curriculums Position bezogen, obwohl das Rektorat keine Kompetenzen hat, sich in die inhaltliche Gestaltung von Studienplänen einzumischen. Diese liegen allein beim Senat - einem demokratisch gewähltem Gremium - bzw. seiner Curricular-Kommission. Die Option eines englischsprachigen Masters war zuvor von den Entwickler_innen des Studienplans in der IE-Curricular-Arbeitsgruppe intensiv diskutiert und letztendlich abgelehnt worden.

01. März 2011

In einem Brief an Rektor Winckler, den Senatsvorsitzenden, die Dekan_innen der an der IE (in ihrer derzeitigen Form als Forschungsplattform) beteiligten Fakultäten (FGGA, HiKu, PhiKu, SoWi, WiWi) und die VizerektorInnen drücken die Institutsleiterin und die Vize-Studienprogrammleiterin der IE ihr Unverständnis gegenüber der überraschenden Finanzierungs-Absage aus.
Als Reaktion auf ihren Protestbrief werden sie kurzfristig für den 17. März vom Rektorat zu einem Gespräch eingeladen.

10. März 2011

In einer IE-Generalversammlung informieren die Instituts-Leiterin und Vize-Studienprogrammleiterin IE-Angehörige über die bis auf Weiteres vorenthaltene Finanzierungszusage für den Master-Studienplan. Es werden verschiedene Konsequenzen und Szenarien diskutiert, sowie Probleme und Unstimmigkeiten analysiert. Die Empörung unter den Anwesenden ist groß.
Für nähere Informationen und Klärungen wird auf den geplanten Gesprächstermin mit dem Rektorat am 17. März verwiesen.
Studierende bereiten eine Petition vor, in der die planmäßige Einführung des IE-Masters zum Wintersemester 2011 gefordert wird.

14. März 2011

Die Studienvertretung der IE (bagru.ie) schickt einen offenen Brief adressiert an den Rektor, in Kopie an die Vize-Rektorin, den Senats-Vorsitzenden, die ÖH-Universitätsvertretung der Universität Wien, sowie IE-Institutsleiterin und IE-Vize-Studienprogrammleiterin.

Auch die Fakultäts-Studierendenvertretung der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen und der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultäten ("GEWI") schickt einen offenen Brief an dieselben Adressen.

15. März 2011

Ein Beitrag auf Radio Orange in der Sendung Unique Radio berichtet über die derzeitigen Ereignisse rund um den IE-Master.

16. März 2011

Die Studienvertretung der IE (bagru.ie) schickt über die ÖH-Universitätsvertretung der Universität Wien eine Pressemitteilung aus.

Im Standard erscheint ein Artikel.

17. März 2011

Die IE-Institutsleiterin und Vize-Studienprogrammleiterin nehmen die als Antwort auf ihren Protestbrief ausgesprochene Einladung zu einem Gesprächstermin mit dem Rektorat wahr.
Dabei werden sie zu Anfang von Studierenden begleitet, die dem Rektor eine Petition mit ca. 1800 Unterschriften überreichen, in der die geplante Einführung des IE-Master-Studiums zum Wintersemester 2011 gefordert wird.

18. März 2011

In der Presse erscheint ein Artikel.

In einer Hörer_innen-Versammlung berichten die IE-Institutsleiterin und Vize-Studienprogrammleiterin den Studierenden über das am Vortag stattgefundene Gespräch mit dem Rektorat. Darin sei keine generelle Absage zum IE-Master mehr gemacht worden. Vom Beginn des Master-Studiums zum Wintersemester 2011 sei aber nicht mehr in jedem Fall gesprochen worden. Für diejenigen Studierenden, die im kommenden Herbst den IE-Master studieren wollen, müsse eine "Übergangslösung" gefunden werden.

Ferner sei seitens des Rektorats der Wunsch geäußert worden, die an der IE beteiligten fünf Fakultäten (oder sogar andere Einrichtungen!) mehr in die Pflicht zu nehmen, Ressourcen für die IE zur Verfügung zu stellen.
Letzteres könnte bedeuten, dass die IE (wie tlw. schon bisher) "Restposten" anderer Fakultäten zugeteilt bekommt und weiterhin nicht souverän über ein angemessenes Budget verfügt und bestimmt. Weiters kann sich hinter einer solchen Forderung verbergen, dass andere Fakultäten bzw. Studienrichtungen Einfluss auf Inhalt und Gestaltung der IE-Lehre bekommen - beispielsweise über jeweils von unterschiedlichen Fakultät gestaltete und angebotene Module.
Beide Varianten werden von der Vize-Studienprogrammleiterin als unannehmbar kritisiert. In jedem Fall bekleide die IE die nachfragende Position, der sich Angebote anderer Einrichtungen unterzuordnen hätten - nicht umgekehrt.

Es wird für weitere Einzelheiten und Ergebnisse auf einen neuerlichen Verhandlungstermin mit Rektorat und Fakultäten verwiesen, der am 01. April stattfinden soll.

Studierende kritisieren, dass von Rektoratsseite die für sie essentiellen Angelegenheiten ein weiteres Mal an ihnen vorbei entschieden und sie nicht in die Kommunikation eingebunden worden seien, sondern über Dritte von den Ereignissen erfahren hätten und vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien.
Nach der Versammlung formieren sich Arbeitsgruppen, die die Ereignisse aufarbeiten, medial begleiten, an die Öffentlichkeit tragen und Mitbestimmung einfordern wollen.

24. März 2011

Am Morgen des 24. März versammeln sich Studierende vor dem Büro des Rektorats im Hauptgebäude der Universität Wien zu einem Frühstück unter dem Motto "Warten auf den Master" bzw. "Wir lassen uns nicht aushungern" und "IE-Master: Jetzt!". Sie protestieren gegen die durch die Nicht-Zusage der Finanzierung entstandene Aufschiebung der Einführung des Master-Studiums und fordern für die weiteren Verhandlungen am 01. April die Beteiligung von Studierenden.

Rektor Georg Winckler, Vize-Rektorin Christa Schnabl und zwei Mitarbeiter_innen treten für 25 Minuten vor die Tür. In Anwesenheit von Kurt Grünewald (Wissenschaftssprecher der Grünen und Abgeordneter zum Nationalrat) und Medien-Vertreter_innen schildern sie vor den Studierenden die Situation aus ihrer Perspektive (Transkript).

Der Forderung, auch Studierende an den geplanten Verhandlungsgesprächen teilnehmen zu lassen, wird stattgegeben, indem drei Personen für den Termin am 01. April zugelassen werden.

25. März 2011

Im Standard erscheint ein Interview mit der IE-Institutsleiterin.

01. April 2011

Unter dem Motto "Unser Master ist kein Aprilscherz!" machen Studierende am Vormittag die universitäre Öffentlichkeit und eintreffende Delegierte auf die anstehenden Verhandlungsgespräche mit Rektorat und Fakultäten, sowie auf die derzeitige Situation rund um den IE-Master-Studienplan aufmerksam.

Drei Studierende begeben sich am Mittag gemeinsam mit der IE-Institutsleiterin und der Vize-Studienprogrammleiterin zu den Verhandlungen ins Büro des Rektorats, zu dem von Vize-Rektorin Schnabl auch mehrere Dekan_innen und weitere Personen in höheren Positionen der Universität eingeladen wurden.
Beim heutigen Treffen sei es plötzlich nicht mehr um Finanzierungsschwierigkeiten für den Master-Studienplan gegangen. Vielmehr seien inhaltliche Mängel konstatiert worden, wobei nochmals angemerkt sei, dass das Rektorat - im Gegensatz zum Senat! - über die inhaltliche Ausgestaltung von Studienplänen nicht zu befinden hat! Das Rektorat habe eine neue, interfakultäre Curricular-Arbeitsgruppe gefordert, um einen komplett neuen Masterplan zu erstellen (Erinnerung: der bisherige Entwurf wurde bereits vom Senat in erster Lesung für durchführbar befunden!). Ausgestaltung und Abwicklung einzelner Module dieses Masters sollten stärker in der Hand einzelner Fakultäten liegen, was die IE nicht nur institutionell, sondern auch inhaltlich zerreißen bzw. den langsamen Institutionalisierungs- und Selbstbestimmungs-Prozess der letzten Jahre umkehren würde. Dabei habe das Rektorat sogar konkrete inhaltliche Vorschläge unterbreitet, welche Inhalte bzw. Fakultäten sich für die Entwicklungs-Thematik aus seiner Sicht wohl besonders anböten (z.B. Recht und Wirtschaft).
Von der Gestaltung der Lehre wurden Fakultäten oder Institute - an der Universität Wien paradoxerweise gerade unter Rektor Winckler in Zusammenhang mit dem Universitätsgesetz 2002! - entbunden, indem die Institution der Studienprogrammleitung (siehe Organisationsplan der Universität Wien; Seite 8) geschaffen wurde. Mit der jetzigen Forderung einer Gestaltung der IE-Lehre durch (verschiedene) Fakultäten widerspricht sich der Rektor selbst!

Da auch der Bachelor-Studienplan momentan durch die STEOP-Verordnung von Regierung (siehe novelliertes UG; §66) bzw. Universität (siehe Mitteilungsblatt der Universität Wien) verändert werden muss, sei auch in Bezug auf den Bachelor-Studienplan versucht worden, inhaltliche Kritik zu üben und andere Fakultäten für die Gestaltung der IE-Lehre einzuspannen.

Auch sei vom Rektorat nochmals ein englischsprachiger Master gefordert worden. Fremdsprachige Studienpläne können leicht zugangsbeschränkt werden, was nicht nur einen generellen Bruch mit offenem Hochschulzugang darstellt, sondern auch die mittlerweile zwei Jahrgänge von IE-Bachelor-Studierenden vor verschlossene Türen stellen würde, die ihr Studium in dem Glauben begonnen haben, nach ihrem Bachelor mit dem Master fortfahren zu können, wie es auch in anderen Studienrichtungen üblich ist.

Auch die Option, nur mehr einen kleinen zugangsbeschränkten Master anzubieten, sei ausgesprochen worden.

Der gewählte, ab Herbst amtierende, neue Rektor und bisherige Vize-Rektor Heinz Engl war bei den Gesprächen nicht anwesend. Seine Sicht auf die Situation und Einstellungen bezüglich der Zukunft der IE sind daher nicht offiziell bekannt, was die Sinnhaftigkeit von Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt mit einem alten Rektorat am Ende der Funktionsperiode noch mehr in Frage stellt.
Für den bisherigen, nur mehr bis Sommer amtierenden Rektor Winckler gelte, dass er keine schwerwiegenden (Finanz-)Entscheidungen mehr träfe, die seinen Nachfolger bzw. die nächsten Jahre nachhaltig beeinflussen oder belasten könnten.

Ein erneuter Gesprächstermin wird für den 11. April angesetzt.
Schon am Nachmittag erscheint im Standard ein Artikel, der sich auf eine APA-Aussendung des Rektorats beruft, die auf der APA-OTS-Seite jedoch nicht mehr auffindbar ist. Die darin transportierten Inhalte verzerren das Bild der Gespräche und geben die alleinige Sicht des Rektorats wieder. Die an den Gesprächen beteiligten IE-Angehörigen sehen die Situation weniger positiv. Die Studierenden verfassen daraufhin eine Gegendarstellung.

02. April 2011

Die Gegendarstellung der Studierenden zur Presseaussendung des Rektorats zu den gestrigen Gesprächen wird vom Standard aufgegriffen und in einem Artikel verarbeitet.

05. April 2011

Die IE-Teamsitzung beschließt, die am 02. April veröffentlichte Gegendarstellung der Studierenden inhaltlich mitzutragen.

Es wird vereinbart, diese Chronik aufzubauen, um die schnelllebigen Ereignisse nachvollziehbar zu machen und sie zu dokumentieren.

Für den 13. April wird eine Lehrenden-Versammlung für IE-Lehrende einberufen, um auch alle Lehrenden über die derzeitige Situation aufzuklären und Beratungen über den Umgang damit anzustellen.

06. April 2011

Durch die zunehmend öffentliche Debatte treffen erste Unterstützungserklärungen für die IE ein und werden Protestschreiben (Dreikönigsaktion, KOO, Licht für die Welt) ans Rektorat versandt.

Die Institutsleiterin und Vize-Studienprogrammleiterin der IE bekommen vom Büro des designierten Rektors Engl die Zusage für ein Gespräch innerhalb der nächsten zehn Tage.

07. April 2011

Weitere Unterstützungserklärung (AGVV) trifft ein.

08. April 2011

Die Studienvertretung IE (bagru.ie) schickt über die ÖH-Universitätsvertretung der Universität Wien eine Presseaussendung aus.

Im Standard erscheint ein Artikel.

11. April 2011

In der Presse erscheint ein Artikel.

IE-Institutsleiterin und Vize-Studienprogrammleiterin führen ein schon länger geplantes Gespräch mit der Vize-Rektorin und der stellvertretenden Leiterin des Controlling, welches allein das Thema der Finanzierung der Lehre des auslaufenden IDS und des B.A.-Studiums behandelte.

Ein regelmäßiges neues Ausverhandeln der Gelder bzw. des Stundenkontingentes für die Lehre ist ein prekärer Nebeneffekt unverankerter Studienpläne, wie den bisher von der IE angebotenen oder solchen, die auch in Bezug auf den Master seit Neustem als "Übergangslösungen" diskutiert werden: Paradoxerweise wird nämlich mittlerweile von Einzelpersonen außerhalb der IE schon von einem (übergangsweisen) "Individuellen Masterstudium" gesprochen, obwohl das anfängliche "Individuelle Diplomstudium" der IE erst kürzlich in ein B.A.-Studium (mit versprochener Master-Stufe) umgewandelt worden war, um es endlich in den Status eines ordentlichen Studiums zu heben.

12. April 2011

Die Studienvertretung.IE (bagru.ie) schickt über die ÖH-Universitätsvertretung eine Pressemitteilung in Hiblick auf die am Folgetag von der Universität Wien geplante Veranstaltung "Bachelor-Day", die unter dem Motto "Bachelor - was nun?" steht, aus.

13. April 2011

Mit einem gemeinsamen Aktionstag haben Studierende und Lehrende der IE verschiedene Zeichen gegen die Finanzierungs-Verweigerung des geplanten Master-Studienplans, sowie gegen die inhaltliche Einmischung anderer universitärer Organisationseinheiten in die IE-Lehre gesetzt. Dabei wurde versucht, die Situation auch immer in den Rahmen der derzeitigen Bildungspolitik, sowie jene der bisherigen Geschichte der IE in ihrem Kampf um Anerkennung, Unabhängigkeit und Institutionalisierung einzuordnen.
Transparente an Fassaden von Universitätsgebäuden, Flugblätter, vorangegangene Presseaussendungen und die öffentliche Präsenz der IE-Angehörigen an unterschiedlichen Orten des Uni-Campus trugen den Protest nach Außen und warben um Unterstützung. Spontan solidarisierten sich auch andere Studienrichtungen, bzw. Instituts-Angehörige und die ÖH-Universitätsvertretung der Universität Wien.

Der Aktionstag begann mit einem gemeinsamen Brunch im Hörsaalzentrum des Uni-Campus. Am Vormittag, wie am Nachmittag fanden zahlreiche von Studierenden und Lehrenden organisierte Workshops zu verschiedenen Themen statt. Kernstück zu Mittag bildete eine IE-Versammlung im Hörsaal A, zu dem dezidiert auch alle externen Lehrenden der IE eingeladen worden waren, welchen in universitätsrechtlichen Strukturen keine eigene Vertretung oder Organisationsform zugestanden wird, was immer wieder die Kommunikation und ein gemeinsames Auftreten erschwert. Die Versammlung bot allen Anwesenden Raum, um sich über die derzeitige Lage zu informieren, auszutauschen und gemeinsame Strategien zu überlegen. Unter Anderem formierte sich eine Gruppe, um einen Brief an Bundespräsident Heinz Fischer zu verfassen.
Weiteres Kernstück der IE-Versammlung war die erstmalige Präsentation des vom Rektorat in seiner Einführung gestoppten und später inhaltlich kritisierten Master-Studienplans vor großem Publikum.

Abseits der Veranstaltungen des Aktionstages fand zeitlich parallel das in Aussicht gestellte Treffen von IE-Leiterin, Vize-Studienprogrammleiterin und Studierenden mit dem designierten Rektor Heinz Engl statt. Letzterer war bisher in keines der die Zukunft der IE betreffenden Gesprächen eingebunden, was jedoch in Anbetracht des anstehenden Ämterwechsels aus Sicht der IE absolut notwendig ist.
So wurde Engl erstmals im direkten Gespräch bei einem Besuch in den Institutsräumlichkeiten der Sensengasse aus der Sicht von IE-Angehörigen über die derzeitige Situation informiert. Engl habe nach dem Gespräch bekräftigt, dass die zentrale Frage jene der Finanzierung des Studiums sein müsse und nicht jene inhaltlicher Ausgestaltungen, welche der Studienprogrammleitung und schlussendlich dem Senat obliegen.

Nachdem sich die Regenwolken weitestgehend verzogen hatten, formierte sich als Schlusspunkt des Aktionstages am Universitätscampus gegen 17 Uhr eine Demonstration mit ca. 2000 Personen, die lautstark über die Universitätsstraße vor das Hauptgebäude der Universität Wien zog und dort aufgelöst wurde.

Eine Gruppe von Studierenden begab sich daraufhin weiter ins innere ihres Hauptgebäudes, um an der einen Stock höher stattfindenden Veranstaltung "Bachelor - was nun?" teilzunehmen und die anwesenden Gäst_innen auf die zum Tagesthema ("Bachelor-Day") passende - aber womöglich auf der Veranstaltung gänzlich ausgeklammerte - Problematik aufmerksam zu machen, dass ca. 1500 ohnehin unter prekären Bedingungen studierende IE-Bachelor-Kollge_innen einem in jeder Hinsicht ungewissen Masterstudium entgegenblicken.

Die Studienvertretung IE schickt eine Pressemitteilung aus.

Der Bildungssprecher der Grünen, Abg.z.NR. Kurt Grünewald, schickt eine Pressemitteilung aus.

14. April 2011

Eine weitere Unterstützungserklärung (GRAS) trifft ein.

< 20. April 2011

Trotz aller bisherigen Ausbremsversuche seitens des Rektorats wurde eine mit  gerinfügigen Änderungen ausgestattete, überarbeitete Version des Master-Studienplans an die Curricularkommission des Senats übersandt. Die Änderungsvorschläge waren bei der positiven ersten Lesung im Februar 2011 angemerkt worden. Damit kann die Senatskommission den IE-Masterstudienplan planmäßig auch in der zweiten Lesung bestätigen.

21. April 2011

Noch während zwischen der Vize-Studienprogrammleiterin der IE und der Vize-Rektorin Gespräche laufen, schickt das Rektorat über die Pressesprecherin eine Pressemitteilung (nicht mehr online bei APA; nachzulesen hier) aus, in welcher der Öffentlichkeitvon ein noch gar nicht vorliegen könnendes "Ergebnis" präsentiert wird.

22. April 2011

Die Vize-Studienprogrammleiterin der IE nimmt in einem vom Standard veröffentlichten Artikel Stellung zur am Vortag vom Rektorat ausgesendeten Pressemitteilung, in der von einem "Ergebnis" gesprochen worden war.

28. April 2011

Dieser Tage langen von Rektor Winckler unterschriebene Antworten bei verschiedenen Organisationen ein, welche ihm in den vergangen Wochen Protestbriefe bzgl. der Master-Finanzierungs-Nichtzusage zugeschickt hatten. 

Paradoxerweise tauchen die Argumente "Absicherung der Finanzierung" und die zu verändernde Problematik des "außerordentlich hohe[n] Anteil[s] externer Lehrender" gleich hintereinander auf. Dass gerade wegen der prekären Anstellungsverhältnisse unserer Lektor_innen die IE das kostengünstigste Studium in Österreich ist, es aber dennoch als unfinanzierbar angesehen wird, wird dadurch ausgeblendet!

Ferner fordert Winckler die Organisationen indirekt auf, über von ihnen zur Verfügung gestellte Drittmittel die IE mitzufinanzieren ("[...] lade ich Sie ein, Maßnahmen zur besseren Ausstattung dieses Studiums [...] zu setzen")! Somit wird das bisherige Nullsummenspiel, universitätsintern (rechnerisch-gedanklich) Ressourcen zwischen Studienrichtungen/Instituten hin- und her zu schieben und diese gegeneinander auszuspielen, auf eine höhere Ebene neoliberaler Bildungslogik gehoben: Statt dem Finanzminister mehr direktes Geld für Bildung abzuringen, soll es nun über den Umweg der Entwicklungshilfe und NGOs zurück in die Universität fließen!

Der augenscheinliche rektorale Wunsch einer Universität, die an einer rein verwertbarkeitsgestützten Ausbildung ihrer "Kund_innen" interessiert ist, zeigt sich schlussendlich in der Aufforderung an die Organisationen, Auskunft über qualitativen und quantitativen Bedarf an Personal zu melden.

28. April 2011 (B)

Die SPÖ-Bereichssprecherin für Umwelt und Globale Entwicklung, sowie Nationalratsagbeordnete Petra Bayr stellte mit Kolleg_innen eine parlamentarische Anfrage "betreffend Sicherung der Finanzierung des Studiums der Internationalen Entwicklung (IE) an der Universität Wien" an den Neo-Bundesminister für Wissenschaft und Forschung. Darin wird vom Minister eine Stellungnahme zu folgenden Fragen gefordert:

  • Wurden Sie bzw. Ihr Ministerium von den Plänen der Universität Wien in Hinblick auf die Finanzierung der lE-Studiengänge informiert?
  • Ist Ihnen bekannt, ob eine Finanzierung der genannten Studien in der Zwischenzeit gesichert werden konnte?
  • Wäre die Rücknahme der Finanzierungszusage für das Masterstudium mit den Zielvereinbarungen des Entwicklungsplans von 2010 überhaupt vereinbar?
  • Welche Konsequenzen wären Ihrer Meinung nach bei einer Nichtfinanzierung des lE-Studiums zu befürchten
    • In Hinblick auf den Hochschulstandort?
    • In Hinblick auf die Lehrenden?
    • In Hinblick auf die Studierenden?
    • In Hinblick auf die Kosten?
    • In Hinblick auf die Internationalisierung?
  • Wurden Ihrerseits Schritte gesetzt, um für die möglichen Konsequenzen einer Nichtfinanzierung vorzusorgen?
    • Wenn ja, welche?
    • Wenn nein, warum nicht?
  • Waren Sie in Hinblick auf die spezifischen Folgen einer möglichen Nichteinhaltung des Vertrags zwischen Universität Wien und der ADA in Kontakt mit dem Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten, in dessen Zuständigkeitsbereich sich die ADA befindet?
  • Wie beurteilen Sie die Bedeutung der lE-Studiengänge für den österreichischen Hochschulstandort?
  • Sind Sie der Überzeugung, dass lE-Studiengänge einen wichtigen Beitrag zur Förderung der globalen Entwicklung bilden und wie werden Sie sich daher für die Weiterführung dieser Studiengänge einsetzen?

01. Mai 2011

Zum ersten Mai erscheint eine Ausgabe der Zeitschrift Malmoe zum Thema Prekarität, in der auch in einem Artikel die prekäre Lage der IE beschrieben wird.

04. Mai 2011

Im Augustin erscheint ein einseitiger Artikel über die derzeitigen und früheren Hindernisse, die der Internationalen Entwicklung in der Gestaltung ihrer Lehre in den Weg gelegt wurden, sowie über die Kämpfe und Bemühungen der IE-Angehörigen, ihre Forderungen zu erreichen.

05. Mai 2011

Mit einem weiteren Frühstück vor dem Rektorat erinnerten Studierende der IE durch ihre physische Präsenz das Rektorats-Team, sowie die universitäre Öffentlichkeit an ihre Forderung, das Masterstudium zum Wintersemester 2011/12 einzuführen.

Auf Drängen der Studierenden trat die Vize-Rektorin für einige Minuten vor die Tür, um sich zum Stand der Dinge zu äußern und auch noch einmal persönlich von den Studierenden an die Forderungen und früheren Bekenntnisse erinnert zu werden. Dabei entstand folgendes Youtube-Video.

06. Mai 2011

Heute langte ein Rechtsgutachten ein, das die Studienvertretung IE über die ÖH-Bundesvertretung in Auftrag gegeben hatte. Darin wurde bestätigt, dass die "von der Universität Wien beschlossenen Entwicklungspläne [] für die Universität Wien selbst bindend [sind]". Weiter heißt es: "Da solche Pläne ja nur unter Zustimmung des Universitätsrates gem § 13 UG 2002 nach Vorlage durch das Rektorakt beschlossen werden kann [sic!], ist ein Abweichen von diesem Plan außerhalb dieser Verfahrensregelung nicht zulässig."

Hintergrund des in Auftrag gegebenen Gutachtens ist die seit Langem kritisierte Tatsache, dass die Schaffung eines IE-Masterstudiums (und zwar schon zum WiSe 2009/10) im Entwicklungsplan der Universität Wien (S. 35) verankert ist und von der IE als bindend - und damit als in jedem Fall umzusetzen - angesehen wird.

18. Mai 2011

Im Nationalrat wurde heute ein von den Abgeordneten Grünewald und Schwenter eingebrachter Entschließungsantrag behandelt, der die Bundesregierung (insbesondere die Bundesministerin für Finanzen und den Buindesminister für Wissenschaft und Forschung) aufforderte, "die Einführung des Masters IE so rasch wie möglich sicherzustellen und die dafür notwendigen Budgetmittel umgehend und nachhaltig bereit zu stellen". Für die Annahme des Antrags fand sich keine parlamentarische Mehrheit.

25. Mai 2011

Im Falter-Wissenschafts-Magazin Heureka! erscheint unter dem Titel "Studienpläne: Die Zukunft der Buchwissenschaften?" ein Artikel über die Situation der IE und ihr Master-Studium.

28. Mai 2011

Im Radiosender Ö1 läuft ein 5-minütiger Beitrag über die problematischen Geschehnisse rund um die Studienpläne der Internationalen Entwicklung.

28. Juni 2011

Auch nach den vielfachen öffentlichen Unterstützungserklärungen, guten Argumenten, internen Verhandlungen und politischen, wie juristischen Interventionen ist das Rektorat bis nicht bereit, einem ordentlichen IE-Master-Studium zum nächsten Wintersemester zuzustimmen.

Fast schon traditionell erscheint der "Kompromiss", der wieder einmal eigens für die IE von Rektorat und Studienpräses gebastelt wurde: Eine "Übergangslösung" in Form eines "Individuellen Masterstudiums" (siehe Universitätsgesetz 2002, §55). Dieses Provisorium ist ebenso unzufriedenstellend, wie paradox: War doch schon das anfängliche IE-Studium von 2002 bis 2009 ein "Individuelles Diplomstudium", dessen Ablösung durch ein ordentliches Bachelor- (und versprochenes Master-) Studium ein wichtiger Schritt hin zur Normalität sein sollte und vom Rektorat als solcher gepriesen wurde.

Tatsachen:

  • Das IMS enthält zwar auf dem Papier ein Curriculum voller Lehrveranstaltungen, erschafft oder finanziert diese aber nicht. Ein ordentliches Studium würde die LVen, die studiert werden müssen, auch selbst anbieten können. Hier spart sich das Rektorat ein ganzes Studium, indem die von Studierenden für das IMS IE zu absolvierenden LVen  "irgendwo" her - d.h. aus dem Budget anderer Studien - genommen werden müssen!
  • Das IMS IE soll auf Absolvent_innen eines BA IE beschränkt sein. Dies läuft der Idee und der rechtlichen Basis individueller Diplomstudien, sowie dem IE-Anspruch an Transdisziplinarität gänzlich zuwider.

Der Studienplan für ein Individuelles Masterstudium ist keine Lösung für das Institut und Studierende der IE. Er kann nur eine Übergangslösung bleiben!

Seit heute liegt der "individuelle" Studienplan vor.

29. Juni 2011

Auf die am 28. April 2011 an Bundesminister Töchterle gestellte parlamentarische Anfrage liegt seit heute ein Antwortschreiben vor.

Ende Juli 2011

Nachdem die IE seit letztem Jahr zum ersten Mal in institutionalisierter Form besteht, standen Ende Juli 2011 zwischen Rektorat, den zuständigen fünf (Vize-)Dekan_innen und der IE die Zielvereinbarungsgespräche an. Diese Gespräche werden jährlich mit den universitären Einrichtungen geführt und sind Basis für den universitätsinternen Entwicklungsplan, sowie für die Verhandlungen zwischen Universität und Bundesregierung/Wissenschaftsministerium. 

In beidseitiger Absprache wurde im Vorhinein eine Tagesordnung für die Gespräche erarbeitet. Auf deren Punkte bereitete sich die IE genaustens vor und stellte eine umfangreiche Dokumentation mit Materialien und Daten zusammen, um das bisher Erreichte als Ausgangsbasis für die Zukunft vorzeigen zu können.

Von Seiten des Rektorats wurde die Tagesordnung jedoch nicht eingehalten, da ein völlig überraschend eingeworfenes Vorhaben des Rektorats (, das übrigens von der Mehrheit der (Vize-)Dekan_innen unterstützt wurde!) die weitere Gesprächszeit dominierte und andere Punkte vertagte: Die Abschaffung des BA-Studiums zu Gunsten eines MA-Studiums IE.

Damit vollzog sich eine absurde Kehrtwende in zweierlei Hinsicht: Erstens wird nach einem halben Jahr massivster Unsicherheit in Sachen Master-Einführung jetzt eben jener Master favorisiert, dafür soll das bisher sicher geglaubte Bachelor-Studium abgeschafft werden! Zweitens vollzog sich eine Umkehr in der inhaltlichen Argumentation: Wurde bisher die Einführung einer vollwertigen BA-MA-Kombination aus Gründen "nicht garantierbarer oder zweifelhafter Qualität" abgelehnt, so wird nun offen gestanden, die Universität habe kein Geld für eine derartig hohe Anzahl von Studierenden im IE-BA (Anmerkung nebenbei: Das IE-Studium ist immernoch eines der günstigsten und unterfinanziertesten österreichweit)!

Die Sommerpause erscheint traditionell als guter Zeitpunkt, um vollendete Tatsachen zu schaffen: In dieser Hinsicht unterscheiden sich Rektorat und Bundesregierung - bei allen Differenzen - nicht!

Für die IE ist die Abschaffung ihres bisherigen Hauptstandbeins in der Lehre (BA) im Tausch gegen einen noch nicht einmal konzipierten, geschweige denn vorhandenen MA nicht verhandelbar.

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